Geld als Belohnung für gute Noten?

Wir freuen uns mit unseren Kindern, wenn sie gute Noten schreiben. Aber sollten Schulleistungen zusätzlich noch mit Geschenken oder Geld belohnt werden?

Wie sinnvoll ist Geld bei guten Noten?

Sollen gute schulische Leistungen mit Geld belohnt werden? Diese Frage geistert durch deutsche Klassenzimmer und ist bis heute für Eltern nicht zufriedenstellend beantwortet worden. Die Elternschaft spaltet sich an dieser Stelle in zwei Lager: Die Befürworter und die Gegner monetärer Belohnung für gute Noten. Die Familien, in denen schulische Leistungen mit Geld belohnt werden, verfahren oft nach dem selben System - drei Euro für eine Eins, zwei Euro für eine Zwei, ein Euro für eine Drei. Sie sind davon überzeugt, dass es funktioniert: Die Kinder legen sich ins Zeug, freuen sich über eine gute Zensur und noch ein bisschen mehr über die Taschengeldaufbesserung. Eltern, die diese Form der Motivation ablehnen, halten es genau umgekehrt: Für Noten gibt es weder Geld noch Geschenke, höchstens Lob. Sie lehnen Belohnungen für Noten grundsätzlich ab, da gute und schlechte Noten für sie zum Schüleralltag dazu gehören. Schlechte Noten sind in ihren Augen schon frustrierend genug, eine zusätzliche Demotivation durch wegfallende Belohnung ist unnötig.

Prinzip Leistung!?

Andererseits: In der Schule lernt man bekanntlich fürs Leben. Sollte da nicht – wie im Arbeitsleben später auch – gute Leistung auch entlohnt werden? Pädagogen halten diesen Ansatz für bedenklich. Beispielsweise Erhöhungen oder Kürzungen des Taschengeldes aufgrund der schulischen Leistungen verhindern in ihren Augen einen eigenverantwortlichen Umgang mit Geld und rücken die Lernmotivation von Anfang an in ein falsches Licht. Gerade Eltern mit mehreren Kindern müssen sich die Frage gefallen lassen, ob die Taschengeldbelohnung an dieser Stelle sinnvoll ist. Wie verantwortungsbewusst kann es sein, zwei Kinder, an die – aufgrund unterschiedlichen Lernverhaltens – unterschiedliche Anforderungen gestellt werden müssten, nach dem oben beschriebenen System zu belohnen? Die Kreativität kennt in dieser Hinsicht keine Grenzen. Eltern entwickeln verschiedenste Systeme zur Belohnung, die extrem an die individuellen Leistungen ihrer Schulkinder angepasst scheinen. So belohnen manche eben gar nicht erst einzelne Zensuren, sondern am Ende des Schuljahres das gesamte Zeugnis. Wieder andere Eltern treffen zu Beginn des Schuljahres so etwas wie Zielvereinbarungen mit ihren Kindern: Welche Note ist in welchem Fach realistisch? Wird die Vereinbarung erreicht, gibt es 2€, schneiden die Kids besser ab gibt es sogar 3€ - liegt die Note unter der angestrebten Leistungsmarke gehen sie leer aus. So wird man auch den Schülern gerecht, die sich eben eher im unteren Mittelfeld der Notengebung bewegen.

Noten bleiben Noten

Dennoch: Noten bleiben Ziffern und teilweise auch eine subjektive Wahrnehmung des Lehrers. Sie sagen nur wenig über die tatsächliche Leistung und die Fähigkeiten eines Kindes aus. Die wenigsten Schüler brauchen Noten, um sich einzuschätzen – sie wissen sehr genau, ob sie sich angestrengt haben und wie viel sie tatsächlich für eine Klassenarbeit geleistet haben. Eine Belohnung für Anstrengung und Lernmotivation erscheint da als das bessere Belohnungssystem – hier kann eine Vier durchaus mal mehr wert sein als eine Zwei. Das allerwichtigste bei der Belohnungsfrage ist aber ohnehin das Gefühl, dass den Kindern damit vermittelt wird. Niemals dürfen Kinder glauben, sie seien mehr oder weniger wert, nur weil sie mit guten oder schlechten Noten nach Hause kommen. Eigentlich eine Selbstverständlichkeit. Pädagogen weisen dennoch immer wieder auf dieses Argument hin und unterstreichen seine Wichtigkeit.

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